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Gängige Methoden, Hundebesitzer moralisch zu adressieren und eine öffentlichkeitskompatible Toilettenkultur anzumahnen. (Text im Beispiel unten: „Darf Ihr Hund sein Geschäft in der Wohnung verrichten? Thorsten Benkel Riskante Kameradschaft

  Von Kötern, Jägern und Statussymbolen 49 Bedingungen kann es nicht verwundern, wenn seine Bedeutung für das Mittelalter (und auch für die Zeit danach) facettenreicher ist als andere tierische Symbole. Zu Beginn der frühen Neuzeit versucht der britische Arzt John Caius, einen Abriss über die englischen Hunde zu geben, und sortiert diese nach Nützlichkeit. Dabei unterscheidet er „a gentle kinde“, „a homly kinde“ und schließlich „a currishe kinde“ (Caius 1576: 2). Während die erste Art der Hunde der Jagd gilt, einem im Mittelalter dem Adel zustehenden Sport, und die zweite Art den Bauern, die damit ihr Hab und Gut bewachen, steht die letzte für die Art von Hunden, die, weil sie enorm bissig sind, weder zum Jagen noch zum Hüten gemacht sind. Hunde, die bissig sind, gehören daher in die Kategorie der Straßenhunde und stehen somit im Nutzen unter den beiden anderen. Caius‘ Einteilung, obwohl aus der frühen Neuzeit, spiegelt so ein auf die Hunde übertragenes Gesellschaftsbild wieder. In Ansätzen lässt sich dieses Bild auch auf das Mittelalter übertragen, auch wenn Caius etwa den Klerus vollkommen außen vor gelassen hat. Im Folgenden soll daher zunächst vom Jagdhund und seiner Bedeutung für den Adel, dann vom Hütehund des Bauern, dann von der generellen Bedeutung der Straßenhunde und schließlich von den Hunden im Bereich von Klerus und Kirche die Rede sein. 2 Viel Hund, viel Ehr: Jagdhunde des mittelalterlichen Adels Die mittelalterlichen Quellen stammen zu einem großen Teil aus einem höfischen Kontext. Das heißt, in ihnen wird, egal ob Urkunde, Epos oder Altargemälde, oftmals die Sicht der mittelalterlichen Oberschicht wiedergegeben. Es verwundert daher nicht, dass es so scheint, als ob es im Mittelalter, folgt man den Quellen, von Jagdhunden gewimmelt hat, während andere Hunde kaum vorhanden waren. 2.1 Hunde als Geschenk Das Züchten von Hunden, um für das jeweilige Jagdvorhaben einen nützlichen Begleiter zu haben, war im Mittelalter in Adelskreisen durchaus üblich. So gibt Gaston Phoebus, Graf von Foix, in seinem wegen der Illustrationen bekannten Jagdbuch im 16. Kapitel Hinweise zur Läufigkeit von Hündinnen, Verlängerung und Kürzung derselben sowie eine Anleitung zur Abtreibung ungewollter Jungen (Phoebus 1994: 30f.). Auch die Ausbildung der Hunde ist wichtig. Der Codex Con- 50 Heiko Schnickmann cordantiae cariatis des 14. Jahrhunderts zeigt die Übung des „Mach Männchen“, zu der ein Hund durch Fingerzeig gebracht wird (Pascua 2007: 101). Dass bei der Idee von Zucht und Aufzucht von Hunden natürlich auch die eigene Herkunft des Adels mit ins Spiel kam, liegt auf der Hand (Teuscher 1998: 350ff.). Wer auf die Zucht und die Aufzucht der Hunde großen Wert legt, für den ist mit dem Hund ein gewisser Wert vorgegeben. Das zeigt sich besonders in der Kultur des Schenkens. Ein Geschenk hatte auch im Mittelalter immer drei Ebenen. Es sagte etwas über den Beschenkten aus, über den Schenker und auch über die Beziehung zwischen beiden. Wenn sich Kurfürst Albrecht von Brandenburg in aller Deutlichkeit beim Bischof von Lebus darüber beschwerte, dass dieser ihm Ende des 15. Jahrhunderts nur einen minderwertigen Hund zukommen ließ und daher als Ersatz zwei Windhunde forderte, dann zeigt sich auf Seiten des Bischofs mangelndes Verständnis für die Feinheiten der Geschenkeübergabe unter gleichberechtigten Fürsten. Wäre der Bischof ein Ritter gewesen, so wäre der von ihm geschenkte „vogelhund“ sicherlich anders bewertet worden. Kleinere Adelige, die Geschenke an Fürsten machten, schenkten in der Regel Hunde, die unterhalb der Windhunde standen, aber dennoch für die Jagd nützlich waren (Teuscher 1998: 360). Das Schenken eines Hundes entsprach nicht nur dem status quo innerhalb der Beziehung zwischen Beschenktem und Schenkendem, sondern hatte auch zur Folge, dass damit Bedingungen an die Zukunft geknüpft wurden. Aufgrund des Verhaltens, das Hunde oftmals an den Tag legen und das von manchen Menschen als treu gedeutet wird, war dieses Geschenk in einer Gesellschaft, die im Kern auf Treueeiden beruhte, eine Bestätigung genau dieses bestehenden Treueverhältnisses. Zwischen zwei gleichberechtigten Fürsten konnte es zu einer Verschiebung dieses Verhältnisses kommen, wenn der eine wusste, welcher Wert den Hunden von der anderen Seite entgegengebracht wurde. War dieser in der Tat ein hoher, war die mit der Annahme des Hundes eingegangene Verpflichtung eventuell zu hoch für den Beschenkten. Graf Ulrich von Württemberg verzichtete daher auf zwei weiße Windhunde, von denen er erfahren hatte, dass sie der liebste Besitz der Kurfürstin von Brandenburg waren (Teuscher 1998: 361).  

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