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Kommuniziere mit dem Hund

Eine soziologische Perspektive auf Hunde 13 Phänomen zu, nämlich dem Dackelblick. Auch sie beabsichtigen allerdings zu zeigen, anhand welcher Indikatoren Menschen Hunden spezifische Motive zuschreiben (und sich ggf. zu entsprechenden Reaktionen „genötigt“ fühlen), und zwar in drei Ausprägungen: dem treuherzig-durchtriebenen, dem arglos-schuldbewussten und dem verzweifelt-theatralischen Dackelblick. Zugleich begründen sie (u. a. im Rückgriff auf Simmel und Schmitz), inwiefern sich durch den Blickkontakt Sozialität konstituiert. Die Analyse ergänzen die Autoren im Fazit auf dieser Basis um ein Plädoyer für eine transhumane Soziologie. An verschiedenen Stellen im Buch wird immer wieder einmal auf Wissenschaftler oder Literaten verwiesen, die über ihre eigenen Hunde schreiben (z. B. Karl Otto Hondrich über „Charly“, Alfred Schütz über „Rover“ oder Thomas Mann über „Bauschan“). Bei Ehrhard Cremers erhält die Literatur einen zentralen Stellenwert als soziales Medium der Selbst- und Fremd...

"How Can These Little Things Start Love?"

Einleitung: Lange Tradition und differenzierte Deutungen Ohne Zweifel ist der Hund das älteste Haustier des Menschen. Die Ursprünge seiner Domestikation liegen noch vor der neolithischen Revolution vor 10.000 Jahren. Er wurde daher bereits vor dem Ende der vorgeschichtlichen Wanderungsbewegungen Teil der gesamten menschlichen Kultur, sodass der Hund, anders als Kühe, Pferde oder Schweine, auf allen von Menschen besiedelten Kontinenten lebt und sich genau wie der Mensch an die dortigen Bedingungen angepasst hat bzw. angepasst wurde. Wo genau der Hund domestiziert wurde, ist dabei relativ unklar. Es ist aber davon auszugehen, dass dieser Vorgang an verschiedenen Orten unabhängig voneinander stattgefunden haben muss. Neben dem fruchtbaren Halbmond, der sich von der Ostküste des Mittelmeers über Anatolien bis in das Zweistromland erstreckt, ist auch von einer Domestizierung in Europa und in Südostasien auszugehen. Von dort aus wurde der Hund nach Australien, Polynesien und Amerika mitge...

Gängige Methoden, Hundebesitzer moralisch zu adressieren und eine öffentlichkeitskompatible Toilettenkultur anzumahnen. (Text im Beispiel unten: „Darf Ihr Hund sein Geschäft in der Wohnung verrichten? Thorsten Benkel Riskante Kameradschaft

  Von Kötern, Jägern und Statussymbolen 49 Bedingungen kann es nicht verwundern, wenn seine Bedeutung für das Mittelalter (und auch für die Zeit danach) facettenreicher ist als andere tierische Symbole. Zu Beginn der frühen Neuzeit versucht der britische Arzt John Caius, einen Abriss über die englischen Hunde zu geben, und sortiert diese nach Nützlichkeit. Dabei unterscheidet er „a gentle kinde“, „a homly kinde“ und schließlich „a currishe kinde“ (Caius 1576: 2). Während die erste Art der Hunde der Jagd gilt, einem im Mittelalter dem Adel zustehenden Sport, und die zweite Art den Bauern, die damit ihr Hab und Gut bewachen, steht die letzte für die Art von Hunden, die, weil sie enorm bissig sind, weder zum Jagen noch zum Hüten gemacht sind. Hunde, die bissig sind, gehören daher in die Kategorie der Straßenhunde und stehen somit im Nutzen unter den beiden anderen. Caius‘ Einteilung, obwohl aus der frühen Neuzeit, spiegelt so ein auf die Hunde übertragenes Gesellschaftsbild wieder...

Fangen Hunde oder nicht und welche Rolle spielen sie wirklich

2.2 Viele Hunde bei der Jagd Dass Hunde, die in dem erwähnten Sinne wertgeschätzt wurden, tatsächlich für den ursprünglichen Zweck der Jagd eingesetzt wurden, ist äußerst zweifelhaft. Wenn etwa im Herzogtum Kleve-Mark zu Beginn des 15. Jahrhunderts Jagd auf Wölfe gemacht wurde und Hunde dabei in keinster Weise Erwähnung finden (Landesarchiv NRW 1419, Lfd.-Nr 442), dann darf hier vermutet werden, bei der Von Kötern, Jägern und Statussymbolen 51 potenziellen Beute dieser Jagd, bei denen es sich wohl um ernst zu nehmende Gegner handelte, schützte man die lieb gewonnenen Hunde vor möglichen Blessuren bzw. dem möglichen Tod. Während eine Jagd auf Wölfe tatsächlich einem praktischen Nutzen entsprang, nämlich dem Schutz der Viehbestände vor einem Fressfeind, war die Jagd normalerweise ein vergnüglicher Sport, der darüber hinaus ein Akt höchster Symbolik war. Wenn der Landesherr seinem Recht der Jagd in einem Waldgebiet nachging, in dem einzig ihm das Jagdrecht zustand, dann war die J...
54 Heiko Schnickmann Ich vermute, dass der Wachhund als passives Tier wahrgenommen wurde. Anders als der Jagdhund, der agiert, wenn die Jagd beginnt, der das Wild aufscheucht, es jagt und zu seinem Herren trägt, besteht die Aufgabe des Wachhundes darin, aufzupassen und, wenn etwas passiert, zu reagieren. Zum Ideal eines Adeligen passt das nicht. Wenn dieser sich treiben lässt und nicht selber treibt, verspielt er seinen politischen und sozialen Kredit. Eine besonders interessante Wendung erhält diese These, wenn man bedenkt, dass Bauern ihre Hunde durchaus auch für die (oftmals illegale) Jagd nutzten. Bereits im frühen Mittelalter wurden den Hunden von Bauern daher auch einzelne Zehen abgeschnitten oder die Knie gebrochen, damit sie für diese Tätigkeit unbrauchbar waren (Brackert/von Kleffens 1989: 69ff.). Der Wachhund des Bauern, der jagen wollte, wurde so zur Passivität verbannt. Will man die auf jeden Fall gegebene Parallele zwischen Adeligem und Jagdhund auf Bauer und Wachhund...

Hunde ohne einen Meister wären nutzlos

 55 Der Henker und die Köter In dem Märchen „Die drei Sprachen“ wird der Protagonist von seinem Vater dreimal zu Lehrern geschickt, um eine fremde Sprache zu lernen. Dreimal kommt er mit Sprachen zurück, die in den Augen des Vaters unsinnig sind. Nach dem dritten Mal setzt der Vater ihn vor die Tür. Die Logik des Märchens will es, dass der Held des Märchens die drei gelernten Sprachen so einsetzen kann, dass er es am Schluss zum Papst schafft. Die erste der gelernten Sprachen ist die Sprache der Hunde. Sie kommt zum Einsatz, als er um ein Nachtasyl bittet und der Burgherr im mitteilt, dass wenn du da unten in dem alten Turm übernachten willst, so gehe hin, aber ich warne dich, es ist lebensgefährlich, denn er ist voll wilder Hunde, die bellen und heulen in einem fort, und zu gewissen Stunden müssen sie einen Menschen ausgeliefert haben, den sie auch gleich verzehren. Der Protagonist überlebt und befreit die Stadt, die in Furcht lebt, zudem von der Meute, die einen Schatz bewac...

Hundefleisch essen

Einige mögen Hunde (essen), andere nicht 65 ähnlich sind. Als Nahrung gelten in diesem System Tiere, die wie die Kalapalo selbst friedfertig sind, wogegen andere, aggressivere Tiere gemieden werden (vgl. Eder 1988: 123 u. 143ff.). Hier ist der Parameter „Nähe zum oder Ähnlichkeit mit dem Menschen“ also unter umgekehrten Vorzeichen zu sehen. Eventuell aufgrund des in unserer eigenen Kultur inzwischen tradierten Tabus hinsichtlich des Verzehrs von Hundefleisch und der Tatsache, dass nicht einmal die Möglichkeit der Schlachtung von Hunden von weiten Teilen der Bevölkerung erwogen wird (vgl. Geppert 1990: 1), scheinen einige Autoren, die sich mit der Bedeutung des Hundes in der Vor- und Frühgeschichte beschäftigten, die Möglichkeit, dass Hunde (auch) gegessen wurden, offenbar auch für die Vergangenheit völlig zu ignorieren. H. Sprankel stellte hierzu fest, dass „über den Verzehr des Hundes in unserem Kulturkreis grundsätzlich der Deckmantel des Schweigens“ (Sprankel 1987: 163) gebreite...

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