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Der Hund zu Hause und außerhalb des Hauses hob die Gefahren und Recht auf

Brauchen Hunde einen Kinderfahrschein? 115 gleicher Weise gelten – für manche, die Mittelschicht, sind Ausnahmen möglich, für Mitglieder der Unterschicht nicht. Aus Sicht der Genderforschung ließe sich zudem fragen, weshalb der Mann der Vertreter der Unerbittlichkeit und der gesetzten Ordnung ist, die Frau jedoch mittels Kommunikation einen Kompromiss sucht und findet. Die geheime Botschaft der Sequenz mit den zwei Hundehalterinnen erzählt also nicht nur von einem Problem (soll man für einen Hund in einer Straßenbahn zahlen?), sondern auch von Vertreterinnen zweier Sozialschichten, die bei dem gleichen Problem unterschiedliche Problemlösungsmuster zeigen. Auf der einen Seite gibt es die kurzhaarige, eher männlich-aggressiv wirkende Frau aus der Unterschicht mit ihrer ‚Promenadenmischung‘6, die – statt im Gespräch mit dem Kontrolleur nach einer fallspezifischen Lösung zu suchen – erst nach dem Gesetz fragt und dann dessen Legitimität bezweifelt. Auf der anderen Seite gibt es die eher weiblich wirkende junge Blonde aus der Mittelschicht mit ihrem Mittelschichthund, die nicht die Legitimität bezweifelt, auch nicht protestiert, sondern (wenn auch in einer Art Fassadenhandlung) ihren Hund zumindest für die Zeit der Kontrolle in ihre Tasche packt. Die Erste will das Problem prinzipiell klären und ihr vermeintliches Recht mit einer Art lokalem Aufruhr durchsetzen, die Zweite spielt das Spiel mit, hält sich vordergründig an die Regeln, packt ihren Hund ein (und später wahrscheinlich wieder aus) und kooperiert. Sie hilft der Kontrolleurin, die fallspezifische Lösung des Beförderungsproblems zu situieren. In dem gezeigten Exempel stehen Widerstand gegen Kooperation, Verweigerung gegen Gehorsam. Und da die Kamera zweifelsfrei mit der jungen Blonden aus der Mittelschicht sympathisiert, ist die Botschaft der Kamera (des korporierten Akteurs) klar: „Mach es so wie die Blonde, wenn Du clever bist. Nur die, die nicht so clever sind, protestieren und machen Ärger.“ Damit leistet die Kamera auch einen Beitrag zu der gesellschaftspolitisch relevanten Frage, wie Bürger mit Gesetzen und Bestimmungen umgehen sollten oder grundsätzlicher: zu der Frage, wie Bürger sich verhalten sollen, wenn Legalität und Legitimität auseinanderfallen. Und damit geht es in dem Video von dem schwarzfahrenden Hund auch um innere Sicherheit – wenn auch auf ganz kleiner Bühne. Und natürlich geht es hier auch um Formen des Führens und des Sich-Führen-Lassens, also um Governance. Anders formuliert: Die ‚Gute‘ führt sich vorausschauend selbst (Fremdzwang wird 6 Auch wenn es in der deutschen Gesellschaft nicht mehr klar ist, ob bestimmte Hunde­ rassen eher von der Unter- bzw. der Mittelschicht gehalten werden, scheint mir doch viel dafür zu sprechen, dass die Kamera in unserem Beispiel nicht nur registriert (Frau X hat Hund Y), sondern auch sozial typisiert, also die jeweilige Schichtzugehörigkeit durch den Hundebesitz anzeigt und somit mittels Kommunikation auch einen Typus entwirft und ihn in Umlauf bringt (vgl. Reichertz 2009). 116 Jo Reichertz zum Selbstzwang). Sie kann dies tun, weil sie ihre Umgebung beobachtet und sich fragt, was man von ihr erwartet. Und weil sie das tut, was man von ihr erwartet (wenn auch nur formal, ohne innere Überzeugung), gibt es keine Konflikte und keine Strafe. Die ‚Schlechte‘ besteht zuerst auf dem formalen Recht, dann auf der Legitimität, dem gesunden Alltagsempfinden, dem Common-Sense, statt vorausschauend an der Lösung des Problems mitzuarbeiten. Sie wähnt sich im Recht und will ihr Recht haben. Damit stört sie und deshalb erfolgt eine Strafe. Hätte sie statt zu protestieren die Umstehenden freundlich nach einer Tasche oder einer Plastiktüte gefragt, wäre sie ohne Strafe davongekommen. 4 Und die Moral von der Geschicht’ Die Episode Braucht ein Hund einen Kinderfahrschein kann durchaus mit den Begriffen des Dramas beschrieben werden. Aber es sind auch einige Ähnlichkeiten mit einer Moritat zu erkennen. Vor allem die Moral am Ende der Episode spricht für ein solches Verständnis. Hinzu kommt die äußerst plakative Filmsprache: Es wird nicht differenziert, sondern immer zugespitzt und mit Hilfe der filmischen Mittel überdeutlich dargestellt. Es bleibt wenig Raum für andere Lesarten. Aus diesem Grund lässt sich der Videobeitrag der Sendung „24 Stunden“ als Lehrstück in laufenden Bildern bezeichnen. Ein Lehrstück will ansprechen, will unterhalten, aber auch zeigen, was richtig ist, was zu tun ist. Ein Lehrstück will immer auch erziehen. Deshalb geht es in der von uns analysierten Sequenz immer auch um Moralität, also darum, was richtig und was falsch ist. Wenn die Episode vom schwarzfahrenden Hund ein Lehrstück ist, was ist dann die Moral von der Geschicht‘? Ganz sicherlich die (so eine erste Antwort), dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt. Auch die, dass der oder die Clevere aus der Mittelschicht besser dran ist, und dass es deshalb gut ist, so clever zu sein wie sie. Und die Moral von der Geschicht’ ist, dass nicht alle Vorschriften Sinn machen müssen, aber dass Vorschriften nun mal Vorschriften und deshalb einzuhalten sind – außer man findet eine fallspezifische Lösung. Und gerade diese letzte Moral von der Geschicht’ ist interessant, weil sie bei näherer Betrachtung, also bei ausführlicher Explikation, noch mehr über die Medien und deren Logik zeigt. Um diese zu explizieren, ist es hilfreich, sich einmal von dem zu lösen, was die Kamera dem Zuschauer gezeigt hat, und sich zu fragen, was sie hätte zeigen können. Da es sich ja gerade nicht um die Dokumentation von Ereignissen handelt, sondern (wie der Einschub mit der klugen Blonden gezeigt hat) um eine Montage, wäre sie auch anders vorstellbar und machbar gewesen.  

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