Hermeneutik und Phänomenologie
Im dritten Teil des Bandes verschiebt sich der Fokus von ganz konkreten Funktionen
von und Situationen mit Hunden tendenziell auf hermeneutische und phänomenologische Zugänge z. B. zur Thematik, als was Hunde angesehen werden.
Thomas Loer zeigt dazu an zwei Passagen aus einem Gespräch mit einer Hundehalterin, die ihre Hunde mit Familienmitgliedern vergleicht, welche Rolle
Hunde im Leben von Hundehaltern spielen. Beiläufig demonstriert er mit der
Darstellung seines Vorgehens in transparenter Weise, wie Objektive Hermeneutik
funktioniert. Inhaltlich formuliert er als vorläufige Strukturgeneralisierung, dass
Hunde als Objekte im Modus des Als-Ob ein fingiertes Leben ermöglichen, ohne
dass das Deutungsmuster von Hunden als Tieren damit getilgt wäre. Im Weiteren
diskutiert er u. a., warum Hunde für diese Rolle geeignet sind und ob es sich bei
den herausgestellten Deutungsmustern eher um eine Wirklichkeitsflucht oder eine
Welterweiterung handelt.
Joachim Landkammer nimmt in seinem Beitrag Systematisierungen zur Rolle
von Hunden vor, die heutzutage eher als Begleithund denn als Nutztier angesehen
werden. Dies macht den Hund aber wiederum zum Vermittler, etwa im Zuge sozialer Kontaktanbahnung: Er ist eine Art organische Sozialprothese durch sein dem
erwachsenen Menschen nicht ohne weiteres mögliches räumliches „Herumstromern“.
Aber das Tier erweitert den Radius auch zeitlich, insofern der schneller alternde
Hund Menschen einen anderen Wahrnehmungshorizont vermittelt. Die Ausführungen zur Ambivalenz einer klar begrenzten Selbstbestimmtheit von Hunden,
die damit dem Menschen durch hundetypische Eskapaden kompensatorisch ein
bürgerlich gezähmtes Leben erleichtern, orientieren sich dabei u. a. an Plessners
Konzept der Exzentrizität und der Theoriefigur des „Dritten“.
Ronald Hitzler nimmt eine phänomenologische bzw. lebensweltanalytische
Perspektive ein, wenn er Hunde als Korrelate des Erlebens thematisiert. Neben
Überlegungen zu konkreten Vergewisserungen darüber, wann ein konkretes Etwas
ein Hund ist, wird hier hinterfragt, als was man dieses Tier erlebt: als Freund – als
sozialmoralisch relevanten Anderen – als verhaltensvariables Lebewesen – als Anlass
für Vergnügen, Entspannung oder Peinlichkeiten – oder gar als Gefahr? In jedem
Fall lässt sich ein Hund, mit dem man konfrontiert ist, nicht schlicht ignorieren,
er verändert die Relevanzsetzungen des erlebenden Subjekts, wie nicht zuletzt
der Rekurs auf Texte u. a. von Comte, von Uexküll, Schütz, Luckmann und Sartre
zeigt. Hitzler schließt seinen Beitrag mit Forschungsfragen, die sich aus dieser
theoretischen Perspektive ergeben.
Robert Gugutzer und Natascha Holterman wenden sich, ebenfalls aus einer
phänomenologischen Perspektive, einem auf den ersten Blick sehr spezifischen
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