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Einleitung Seitdem der Mensch Fleisch isst, wählt er, sofern er dazu in der Lage ist, aus, welche Tiere für den Verzehr geeignet sind und welche ihm als nicht essbar erscheinen. Hierbei spielen religiöse/ethische, kulturelle, ökonomische, philosophische und gesundheitliche/medizinische Aspekte eine mindestens ebenso große Rolle wie persönliche Vorlieben und Geschmack. In nahezu allen Kulturen ist der Verzehr bestimmter Speisen aufgrund kultureller Regeln verpönt, verboten, nur speziellen Gruppen oder an speziellen Tagen oder Anlässen erlaubt, wobei jeder Kultur eigene Vorstellungen von mit dem Verzehr bestimmter Nahrung einhergehenden Risiken und Problemen inhärent sind. In der modernen westlichen Industriewelt mit ihrem reichen Nahrungsangebot rufen das Schlachten und der Verzehr von Hunden starke negative Reaktionen hervor. Die häufig sehr enge Bindung zwischen Mensch und Hund lässt dies geradezu als den letzten Schritt vor dem Kannibalismus erscheinen, entsprechend wird Kynophagie mit kultureller Verrohung gleichgesetzt. In einer bayerischen Chronik des 14. Jahrhunderts werden beispielsweise Tartaren genannt, deren besondere Abscheulichkeit mit ihrem Verzehr von Hunden und Katzen begründet wird (vgl. Janotta 1994: 26, Anm. 72). Bereits in antiken Quellen finden sich widersprüchliche Angaben über Kynophagie. So schrieb etwa der Neuplatoniker Porphyrios (233-301 n. Chr.), möglicherweise um die kulturelle Überlegenheit der Griechen zu betonen, dass diese niemals Hundefleisch gegessen hätten (De Abstinentia 1.14), wogegen nach Sextus Empiricus (frühes 3. Jahrhundert) nicht nur einige Völker Thrakiens, sondern ursprünglich auch die Griechen Hundefleisch nicht verachteten. Einerseits galten Hunde häufig als unrein, weshalb ihr Verzehr generell verpönt war und verspottet wurde, andererseits wurden junge Hunde als besonders reine Speisen angesehen, die man verschiedenen chthonischen Göttern als Opfer darbrachte. Antike Schriftquellen geben zu diesem Thema sonst nicht sehr viel Auskunft, weshalb davon auszugehen ist, dass Hundefleisch kein Bestandteil der regulären griechischen und römischen Küche war (Greenewalt 1978: 31, Anm. 1). Unter den überlieferten römischen Küchenrezepten ist jedenfalls keines zur Zubereitung von Hundefleisch vorhanden (vgl. z. B. André 1998). Anhand von Grabinschriften und anderen Textquellen lassen sich zudem für die griechische und römische Antike teilweise ähnlich enge Mensch-Hund-Beziehungen ablesen (zusammenfassend vgl. Ramminger 2014: 160ff.), wie sie heute vielfach zu beobachten sind, sodass eine Ablehnung des Verzehrs von Hundefleisch nicht weiter verwundert. Die gefühlte Nähe oder Ähnlichkeit ist jedoch keinesfalls in allen Gesellschaften ein Grund dafür, bestimmte Tiere nicht zu essen. Beispielsweise geben die am Amazonas lebenden Kalapalo an, dass Affen verzehrt würden, gerade weil sie den Menschen

 Einleitung Seitdem der Mensch Fleisch isst, wählt er, sofern er dazu in der Lage ist, aus, welche Tiere für den Verzehr geeignet sind und welche ihm als nicht essbar erscheinen. Hierbei spielen religiöse/ethische, kulturelle, ökonomische, philosophische und gesundheitliche/medizinische Aspekte eine mindestens ebenso große Rolle wie persönliche Vorlieben und Geschmack. In nahezu allen Kulturen ist der Verzehr bestimmter Speisen aufgrund kultureller Regeln verpönt, verboten, nur speziellen Gruppen oder an speziellen Tagen oder Anlässen erlaubt, wobei jeder Kultur eigene Vorstellungen von mit dem Verzehr bestimmter Nahrung einhergehenden Risiken und Problemen inhärent sind. In der modernen westlichen Industriewelt mit ihrem reichen Nahrungsangebot rufen das Schlachten und der Verzehr von Hunden starke negative Reaktionen hervor. Die häufig sehr enge Bindung zwischen Mensch und Hund lässt dies geradezu als den letzten Schritt vor dem Kannibalismus erscheinen, entsprechend wird Kynophagie mit kultureller Verrohung gleichgesetzt. In einer bayerischen Chronik des 14. Jahrhunderts werden beispielsweise Tartaren genannt, deren besondere Abscheulichkeit mit ihrem Verzehr von Hunden und Katzen begründet wird (vgl. Janotta 1994: 26, Anm. 72). Bereits in antiken Quellen finden sich widersprüchliche Angaben über Kynophagie. So schrieb etwa der Neuplatoniker Porphyrios (233-301 n. Chr.), möglicherweise um die kulturelle Überlegenheit der Griechen zu betonen, dass diese niemals Hundefleisch gegessen hätten (De Abstinentia 1.14), wogegen nach Sextus Empiricus (frühes 3. Jahrhundert) nicht nur einige Völker Thrakiens, sondern ursprünglich auch die Griechen Hundefleisch nicht verachteten. Einerseits galten Hunde häufig als unrein, weshalb ihr Verzehr generell verpönt war und verspottet wurde, andererseits wurden junge Hunde als besonders reine Speisen angesehen, die man verschiedenen chthonischen Göttern als Opfer darbrachte. Antike Schriftquellen geben zu diesem Thema sonst nicht sehr viel Auskunft, weshalb davon auszugehen ist, dass Hundefleisch kein Bestandteil der regulären griechischen und römischen Küche war (Greenewalt 1978: 31, Anm. 1). Unter den überlieferten römischen Küchenrezepten ist jedenfalls keines zur Zubereitung von Hundefleisch vorhanden (vgl. z. B. André 1998). Anhand von Grabinschriften und anderen Textquellen lassen sich zudem für die griechische und römische Antike teilweise ähnlich enge Mensch-Hund-Beziehungen ablesen (zusammenfassend vgl. Ramminger 2014: 160ff.), wie sie heute vielfach zu beobachten sind, sodass eine Ablehnung des Verzehrs von Hundefleisch nicht weiter verwundert. Die gefühlte Nähe oder Ähnlichkeit ist jedoch keinesfalls in allen Gesellschaften ein Grund dafür, bestimmte Tiere nicht zu essen. Beispielsweise geben die am Amazonas lebenden Kalapalo an, dass Affen verzehrt würden, gerade weil sie den Menschen 

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